Valentin-Karlstadt-Musäum, München, Isartor
 
Valentin-Karlstadt-Musäum im Isartor, München
 
Liesl Karlstadt - Valentins Partnerin
 
Liesl Karlstadt ist die populärste Vertreterin Münchner Humors. Als Tochter eines Münchner Bäckers wurde sie am 12.12.1892 in Schwabing als fünftes von neun Kindern geboren. Ihr bürgerlicher Name war Elisabeth Wellano. Sie absolvierte eine Lehrzeit als Verkäuferin beim Textilhaus Eder am Viktualienmarkt und und arbeitete dann im Kaufhaus "Hermann Tietz", dem späteren "Hertie".
 
Gleich Valentin beherrschte sie eine Reihe von Musikinstrumenten und hatte den Drang, auf den "Brettern, die die Welt bedeuten" zu stehen. Schon mit 20 fungierte sie als Soubrette in der Singspielgruppe Adalbert Meier. Sie war Mitglied des Chores, jodelte, tanzte, und trug Couplets vor. Liesl Karlstatt (Elisabeth Wellano)
 
Mit ihrer Chefin, Mizzi Meier, sang sie traurig-süße Liedchen wie das Heideröslein oder den Fremdenlegionär. Sie wirkte in Volksstücken wie "Der wahnsinnige Printz von Denemarkt" mit, stand als Luise in "Cabale und Liebe" auf der Bühne und spielte eine hinreißende "Kameliendame".
 
Daß Karl Valentin sie im "Frankfurter Hof" kennenlernte und sie zur Zusammenarbeit überreden konnte, war schicksalhaft. Heute ist Liesl Karlstadt nicht wegzudenken von der Figur des Karl Valentin.
 
Rudolf Bach charakterisierte: "In dieser merkwürdigen, doppelbödigen, leise unheimlichen Welt der Stücke Karl Valentins ist Liesl Karlstadt das Diesseits, der Tag, das Maß, das Natürliche, Vernünftige, das Bürgerliche - der Gegenpol aller melancholischen oder bissigen Narretei. Liesl ist zart, lieb, gutmütig, überlegen, stets der normale Widerpart, sozusagen der Sancho Pansa zu Valentin-Don Quichotte."
 
Sie hatte unerreichtes Verwandlungstalent, ihre stets glaubwürdigen Rollen zeigte sie in einer breiten Skala, die von der Mutterrolle bis zum verzogenen "Herrschaftsbambs" im "Bittsteller" reichte.
 
Über 25 Jahre blieb sie Valentins Partnerin, rund 400 Sketche und Komödien stammen aus dieser Zusammenarbeit. Liesl Karlstadt war Valentins Koautorin, Koregisseurin, Organisatorin, Souffleuse und auch Psychiaterin. Er machte sich ihr Improvisationstalent zunutze, erhielt von ihr viele Anregungen zu seinen Stücken; denn Liesl Karlstadt war selber schriftstellerisch wenig kreativ.
 
Liesl Karlstadts Engagements in den Münchner Kammerspielen und im Residenztheater weisen sie als großartige Schauspielerin aus. Sie hatte aber auch ein Engagement bei Adolf Gondrell. Wenige Wochen vor Valentins Tod trat sie nach siebenjähriger Pause wieder gemeinsam mit ihm auf. Für kleinere Rollen wurde die Karlstadt dem Film verpflichtet, man hörte sie auch im Werbefunk. Eine Sendereihe des Bayerischen Rundfunks - "Familie Brandl" - machte sie zum Publikumsliebling.
 
Am 27. Juli 1960 starb Liesl Karlstadt in Garmisch an einem Gehirnschlag.
 
Valentin-Karlstadt-Musäum, München, Isartor
 
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